Samstag, 19. Juni 2010

Schon fast wieder in Berlin


In genau 10 Tagen verlassen wir Belfast und kehren heim nach Berlin.

Wir freuen uns schon lange riesig darauf: Zurückkehren in das Gewohnte und Bewährte, Freunden leibhaftig begegnen und den Sommer in der Hauptstadt genießen.

Trotzdem wird uns der Abschied nicht leicht fallen: Belfast ist uns sehr ans Herz gewachsen.

Die gemeinsame Zeit hier in Nordirland hat uns in vielerlei Hinsicht tief geprägt:

Wir waren auf uns gestellt und gewissermaßen gezwungen, uns immer wieder neu aufeinander einzulassen.

Wunderbare Menschen sind uns Freunde geworden, deren Gegenwart uns fehlen wird. Sie alle haben uns stets willkommen geheißen und uns ihr Gastfreundschaft entgegengebracht: Nicht nur ih ihrem bedachten Haus, sondern auch in ihrer inneren Wohnung- sie haben ihre Geschichten mit uns geteilt und dadurch unseren Horizont erweitert.

Wir sind ein wenig reiselustiger geworden: In einem Land, in dem es nur außergewöhnlich schöne Orte zu geben scheint, ist uns das nicht leicht gefallen. Daher würden wir dies auch gern zu Hause fortsetzen und öfters als bisher das Heimatland entdecken (Reiseinteressierte bitte melden).

Beide können wir von uns sagen, dass wir gelassener geworden sind (wer uns kennt weiß, dass dies ein Eigenschaft ist, die uns - zwar im unterschiedlichen Maßen, jedoch im Großen und Ganzen- nicht gegeben ist. Ein Land, dessen Uhren anders ticken (dem Busfahrplan wird selten Beachtung geschenkt und Treffen werden mit einer viertel Stunde Verpätung verabredet), hat uns einige Male in die Knie gezwungen und wir hoffen, dass wir uns etwas hiervon erhalten können (ausbaufähig ist diese segensbescherende Eigenschaft allemal).

Mit diesem Schatz im Herzen kommen wir zurück nach Berlin und sind gespannt auf all das Alte und Neue, was uns dort erwartet.

Wir kommen zurück in unsere alte Wohnung: Endlich wieder eine

harte Matratze ohne Kuhle in der Mitte und ohne spürbaren Federkern ;-)

Freunde und Familie werden wieder in (un-) mittelbarer Nähe sein: Mal ehrlich- wie hätten wir die Zeit hier ohne Email und Skype überlebt? Jetzt aber endlich wieder auf einen Kaffee oder auf ein Bierchen treffen und ganz in echt beisammen sein!

Tilmann wird ab Oktober sein Referendariat wieder aufnehmen und Großkanzlei-Luft schnuppern und sich auf sein zweites Staatsexamen vorbereiten.

Andrea beginnt im September ihren gemeindepädagogischen Vorbereitungsdienst mit dem religionspädagogischen Block (guten Morgen, Frau Lehrerin - wer die Fingernägel sauber hat, bekommt 'ne 1) und ist dann am März 2010 in der Marienkirche Vikarin.

Wir können nicht genug sagen, wie sehr wir uns auf das alles freuen!

Und bitte: ladet euch ein zu Kaffee und Kuchen, Bier und Frühstück, Wandern und Radeln!


Bis dahin- die Kuhlas

Donnerstag, 31. Dezember 2009

An all die, die ...



... ganz versessen darauf sind, mehr zu lesen und zu sehen ...

Die Zeit zwischen den Jahren- wie schön ist sie doch! Und heute nacht wird es ernst: Es wird 2010, und das bei den meisten von euch eine Stunde früher als bei uns!

In diesem Jahr haben wir Weihnachtendas erste Mal zu zweit gefeiert- zumindest unser deutsches Weihnachtsfest. Wir haben es sehr genossen, das Experiment zu wagen, unsere eigenen, ersten Weihnachtstraditionsschritte zu wagen.

Ausgeschlafen, gefrühstückt, geputzt- und dann haben wir unser Häuschen ein wenig geschniegelt. Danach haben wir einen laaaaaangen Spaziergan durch den Lagan-Valley-Park gemacht.




Nachdem wir dann auf vereisten Bürgersteigen nach Haus geschlittert sind, hat sich der Mann ersteinmal einen Mittagsschlaf gegönnt. Die Frau hat sich gleich- wie es sich gehört- an den Herd gestellt, um den Weihnachtsbraten zuzubereiten. Dies ist ihr auch äußerst gut gelungen, muss ich sagen. Leider hat sie sich dabei ihre linke Hand teilfrittiert: Danke, geht schon wieder.



Das ist unsere kleine Krippe auf dem Kaminsims!

Wir haben unser zweisames Fest durch und durch genossen!

Aber das echte Weihnachtsfest, so wie es hier in Nordirland gefeiert wird, das kam erst noch: Der Gottesdienst am Morgen war wunderbar- es gab Posaunen und es hat Schokolade geregnet!

Den ganzen Tag über durften wir bei einer Fanilie zu Gast sein. Mit Christ und Maureen (Mama und Papa), Richard und Joanna (Sohn und Tochter), Granny, Albert und Robin (Mama´s Bruder und sein Sohn) und Goldie (Hund) haben wir einen wundervollen Tag verbracht.



Weihnachtsspaziergang im Schnee



Spielen, spielen, spielen! Leider kann man die Furzmaschine mit Fernbedienung nicht sehen (mein Lieblingsspielzeug)

Das alles ist nun schon eine Woche her. So nach und nach trudeln immer mehr Weihnachtskarten ein ... die Post schein da ein kleines Problem mit unserer Anschrift zu haben ... hier ist sie noch einmal für alle Schreiberlinge und für die Nordirische Post mit allen detaillierten Angaben, die es gibt:

Tilmann und Andrea Kuhla
20 Wedderburn Avenue
BT10 0FY
Erinvale, Finaghy
Belfast
N.I.
UK

Das sollte reichen.

Wir freuen uns so sehr darüber, das ihr in der Ferne an uns denkt und uns bebetet. Jeder kleine Skype- und Facebook-Gruß, jede Karte und jeder Brief machen uns sehr, sehr glücklich!!!
Danke dafür!

Tilmann und ich werden uns jetzt gleich hübsch machen und dann in die Stadt ziehen. Wir haben einen Tisch reserviert und werden lecker und fein essen. Danach werden wir noch auf einen Kaffee bei den Blakes (unserer Adoptivfamilie) vorbeischauen.

Wir wünschen euch allen ein gesegnetes Jahr 2010!



Tilmann und Andrea

ps.: Der Mann steckte soeben verschlafen seinen Kopf durch die Tür und ordnete an, euch auszurichten, dass er lieb sei. Ist er wirklich ;-)


Montag, 14. Dezember 2009

Zwischendurch

Gestern hat sich Tilmann über all die Gedichte beschwert: "Ich dachte, du schreibst hier über uns in Belfast?!"

Daher heute ein paar Eindrück aus den letzten Wochen.

Heute ist Montag- ich habe im Café gearbeitet und rieche -wie immer nach einem solchen Tag- wie ein Ulster-Fry.
Ulster-Fry ist eine nordirische Spezialität: 1 Scheibe

Potato-Bread, eine Scheibe Soda-Bread, eine Scheibe Schinken, ein Würstchen und ein Spiegelei. Alles in Fett gebraten. Das schmeckt ziemlich lecker, heißt aber auch nicht umsonst "heartattack on a plate". Aber die Menschen hier lieben das!

Das Café, in dem ich arbeite, ist auf der Shankill Road, Ecke Berlin Street. Gegenüber gibt es sogar eine Berlin Bar- wenn das mal nicht nett ist ;-)



Die Politische Gesinnung der Menschen hier speigelt sich hier an jeder Ecke: Viele Bürgersteigkanten sind ein den Farben der Union-Jack angestrichen. Überall hängen Union-Jack-Flaggen, oder solche, die eine Ulster-Hand abbilden. Am auffälligsten sind die vielen Memorials- Denkmäler für Menschen, die in den Troubles um ihr Leben gekommen sind- und die Murals- Wandmalereien, die dies auch bezeugen. Meist sind diese Ereignisse heroiserend dargestellt. Jedoch ist das die Geschichte dieses 'Kiezes', und auch, wenn sich während der letzten vier Jahren viel verändert hat (der Hubschrauber ist nicht mehr 24/7 in der Luft und auch das Militär ist auf den Straßen nicht mehr präsent) ist die Vergangenheit hier noch sehr deutlich zu spüren.
Hier ein Mural mit der Queen- sie sehr hier etwas zerknautscht aus.



Eine Sache, die uns hier immer wieder fasziniert, ist die Kultur des Busfahrens.
1: In Belfast weiß man nie, ob die Busse pünktlich sind. Manchmal kommen sie auch einfach gar nicht. Aber egal, wie lange man wartet-
2: Man reiht sich in die Shlange ein. Dabei tritt man sich auch nicht gegenseitig auf die Füsse: Abstand wird gewahrt. Auch bei Regen. Dabei liest man sein Buch oder seine Zeitung- oder:
3. Man unterhält sich mit seinem Nachbarn. 'A wee chat' nennen die Menschen das hier. Ihr euch gar nicht vorstellen, wie klein 'Norn Iron' (Northern Ireland) ist und wie sehr sich das an der Bushaltestelle bemerkbar macht. Selbst Fremden wie uns ist das schnell klar geworden ;-)
4. In den Bus gestiegen begrüßt man den Busfahrer- und auch hier kommt schnell 'a wee chat' zustande. Beim Aussteigen bedankt und verabschiedet man sich.



Tilmann sitzt zur Zeit an seiner zweiten Hausarbeit; aber ihr kennt ihn ja: Mit viel Planung ist er schon gut vorangekommen, und so freuen wir uns auf ein paar freie Tage mit unserem Neujahrsbesuch.

Wir genießen unsere Zeit hier- alles Neue und Aufregende.
Dabei reflektieren wir das letzte Jahr und überlegen, wie die nächste Zeit für uns sein wird. Einige Entscheidungen wollen getroffen werden.
Wir freuen uns beide wieder auf Berlin (manch eineR mochte gedacht haben, dass das zumindest auf den weiblichen Teil unserer Ehe nicht zutrifft).

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir unser Leben hier mit so vielen von Euch teilen dürfen. Nicht nur über diesen Blog: Bis zu unsere Abreise haben wir nie weniger als drei Wochen am Stück für uns ;-)

Wir freuen uns auf eure Besuche ... im Internet und in der Wirklichkeit.
Und bis wir uns wieder sehen:

Prost (Guiness is the best!)

Freitag, 4. Dezember 2009


FOR GOD’S SAKE GIVE US SOME REALITY


Nicely rounded explanations

Safe and sanitised solutions

A magic text for every doubt

A definitive answer for every mystery

“There, there everything’s going to be alright.”

FOR GOD’S SAKE GIVE US SOME REALITY.


A woman abused and left used, abused and lonely

A teenage widow behind the love of her life’s coffin

A child whose legs were ripped from his body by landmines

A ten year old township orphan cooking for her little brothers

A father whose child has been found strangled in the forest park

FOR GOD’S SAKE GIVE US SOME REALITY.


A recently wall papered stable

Freshly washed cattle and perfumed straw

A carpenter with extra mural studies in midwifery

Theologically sound eastern stargazing mystics

A perfect little baby “no crying he makes”

FOR GOD’S SAKE GIVE US SOME REALITY.


Impoverished and homeless

Germs breeding in the filth and squalor

A teenage girl screams birth fierce pain

Death squads in the dawn’s first light

Refugees running in fear of their lives

FOR GOD’S SAKE, BORN INTO THE MIDST OF REALITY.


Found at: http://stocki.typepad.com

Ein sehr bewegendes Gedicht.

Christentum, Kunst und soziale Gerechtigkeit.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Zu danken ist unerhörter Widerstand gegen Ungerechtigkeit. Für Auserwählte?

Listen

by W.S. Merwin

with the night falling we are saying thank you
we are stopping on the bridge to bow from the railings
we are running out of the glass rooms
with our mouths full of food to look at the sky
and say thank you
we are standing by the water looking out
in different directions

back from a series of hospitals back from a mugging
after funerals we are saying thank you
after the news of the dead
whether or not we knew them we are saying thank you
in a culture up to its chin in shame
living in the stench it has chosen we are saying thank you

over telephones we are saying thank you
in doorways and in the backs of cars and in elevators
remembering wars and the police at the back door
and the beatings on stairs we are saying thank you
in the banks that use us we are saying thank you
with the crooks in office with the rich and fashionable
unchanged we go on saying thank you thank you

with the animals dying around us
our lost feelings we are saying thank you
with the forests falling faster and faster then the minutes
of our lives we are saying thank you
with the words going out like cells of a brain
with the cities growing over us like the earth
we are saying thank you faster and faster
with nobody listening we are saying thank you
we are saying thank you and waving
dark though it is

Montag, 30. November 2009

Advent

THE SONG OF ZECHARIAH - Benedictus Domine

Blessed be the Lord, the God of Israel,
for he has come to his people and set them free.

He has raised up for us a mighty Saviour,
born of the house of his servant, David.

Through his holy prophets, he promised of old
that he would save us from our enemies,
from the hands of all that hate us;

He promised to show mercy to our forebears,
and to remember his holy covenant.

This was the oath he swore to our father, Abraham,
to set us free from the hands of our enemies,

Free to worship him without fear,
holy and righteous in his sight,
all the days of our life.

You, my child,
shall be called the prophet of the Most High,
for you will go before the Lord to prepare his way,

To give his people knowledge of salvation
by the forgiveness of all their sins.

In the tender compassion of our God
the dawn from on high shall break upon us,

To shine on those who dwell in darkness
and the shadow of death,
and to guide our feet into the way of peace.

Glory to the Father, and to the Son, and to the Holy Spirit
as it was in the beginning, is now, and ever shall be,
world without end. Amen.

Sonntag, 29. November 2009

Welcome

Life is a Quilt

Das Leben ist wie ein Quilt- es setzt sich aus vielen, bunten Teilen zusammen.
Danke, dass ihr an einem neuen Flicken unseres Lebens teil habt:
Seit Mitte September sind wir nun schon hier in Belfast und es liegen noch 8 Monate nordirisches Abenteuer vor uns.

What´s the facts?

Tilmann studiert 'postgraduate law' an der University of Queens. Sein Studiengang heißt 'Corporate Governance' und beschäftigt sich vor allem mit wirtschaftlich- rechtlichen Aspekten.
Donnerstag ist sein Präsenztag, an allen anderen Tagen in der Woche ist er mit der Vor- und Nachbereitung beschäftigt.

Andrea ist Teilzeitstudentin am Belfast Bible College (BBC). Sie studiert hier immer Freitags 'Pastoral Care', also Seelsorge. Montags und Dienstags hilft sie in einem Projekt auf derShankill Road in West-Belfast, einem protestantischen Teil im sozialen Brennpunkt. Mittwochs und Donnerstags springt sie momentan für die kranke Gemeindesekretärin ein.

Wir leben im Süden der Stadt- hier ist es ruhig und sauber. Ein echter und bisweilen komischer Kontrast zum Norden und Westen der Stadt. Wir wohnen in einem kleinen Häuschen mit rosa Plüschteppich und Blümchentapete. Wir haben einen großen Garten und die Sonne schient hier viel öfter, als die Gerüchte es euch glauben machen wollen!

What´s the craig?

'Craig' ist der hier gängige Ausdruck für 'Spaß' und wir auch verwendet, um sich lässig nach dem Wohlbefinden zu erkundigen.
Wir genießen die Zeit hier- das viele Neue und Unbekannte. Wir freuen uns, ungewohnt viel voneinander zu haben und sind gespannt auf all das, was noch vor uns liegt.
Besonders begeistert sind wir von der Gastfreundlichkeit hier, die uns nicht nur in der Gemeinde, sondern auch im Pub begegnet (ich habe mich schon immer gefragt, ob sich diese beiden Kulturen nicht viel ähnlicher sind, als man es zunächst vermutet).

Wir freuen uns, wenn der oder die ein oder andere hin und wieder oder ab und zu mal nachsieht, was aus unserem Quilt geworden ist!

Viel Spaß,
Tilmann und Andrea


Sheep Island

Sheep Island
Bei Ebbe läuft gern das ein oder andere Schaf durch das Watt auf die Insel. Kommt die Flut wundert sich der Tourist: Wie jetzt? Kran?